Post-Pill-Syndrom

Hilf Deinem Zyklus und Wohlbefinden neu auf die Sprünge

Viele Mädchen und Frauen kennen das: Sie setzen die Pille ab, freuen sich auf das Leben mit einem natürlichen, regelmäßigen Zyklus, aber erst mal passiert … nichts. Die Regelblutung kommt und kommt nicht. Bei einigen lässt sie ein, zwei Wochen länger auf sich warten, bei anderen sogar mehrere Monate. „Post-Pill-Amenorrhoe“ nennen Mediziner*innen dieses Phänomen, alternativ auch „Post-Pill-Syndrom“1. Allerdings bezieht sich der Begriff „Post-Pill-Syndrom“ nicht ausschließlich auf das Ausbleiben der Regelblutung, also die Amenorrhoe. Beim „Post-Pill-Syndrom“ geht es um den Krankheitswert, den weitere Symptome mit sich bringen. Wenn Mädchen und Frauen plötzlich unter verschiedensten seelischen und körperlichen Beschwerden leiden, mit oder ohne Amenorrhoe, dann heißt die Diagnose: Post-Pill-Syndrom. Verbreitet sind zum Beispiel Stimmungsschwankungen – nicht nur, aber auch als PMS (Prämenstruelles Syndrom), eine stärkere oder schmerzhaftere Menstruation, Akne/unreine Haut, der Verlust der Libido, vaginale Trockenheit, Spannungsgefühle der Brust, Migräne und Verdauungsbeschwerden2.

Warum Du zunächst keine Angst haben solltest

Wenn es Dir so geht, solltest Du Dich zunächst nicht übermäßig sorgen. Denn das ist ein normaler Umstellungsprozess und erledigt sich meistens binnen weniger Monate von selbst1. Wenn Du über Monate oder sogar Jahre künstlichen Hormonen die Regie über Deinen Zyklus überlassen hast, müssen Deine körpereigenen Prozesse sich erst mal wieder einspielen. Progesteron, Östrogen, Testosteron … bis das Zusammenspiel erneut funktioniert, kann es eine Weile dauern. Es funktioniert bei manchen binnen weniger Tage, bei anderen erst nach Monaten oder sogar erst, nachdem ein Arzt/eine Ärztin unterstützt. Manchmal macht auch ein und dieselbe Frau mit mehreren Pillen-Pausen ganz unterschiedliche Erfahrungen.

Vielleicht hast Du, während Du die Pille eingenommen hast, ja auch in mehr als einer Hinsicht profitiert. Dann durftest Du Dich beispielsweise über leichtere, weniger schmerzhafte Regelblutungen, eine reinere Haut und mehr Kurven freuen. Es kann sein, dass Dir einige dieser positiven Effekte nun sogar erhalten bleiben, schließlich bist Du allgemein reifer geworden und bestimmt hat sich einiges in Deinem Leben verändert. Wenn Du aber unter Deinem „Post-Pill-Syndrom“ leidest, mit oder ohne Ausbleiben der Regel, ist das ebenfalls völlig normal. Studien zufolge warten bis zu 2% aller Frauen nach dem Absetzen der Pille drei oder mehr Monate auf ihre erste Regelblutung. In einer Studie hatten sogar ganze 6% der jungen Teilnehmerinnen im ersten Jahr nach Absetzen der Pille öfter mal gar keine oder verzögerte Blutungen1.

Klarer Fall: Wenn es Dir nach dem Absetzen der Pille psychisch oder körperlich schlecht geht, solltest Du einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Doch wenn Dich das Warten und die Symptome lediglich nerven, kannst Du zum einen darauf bauen, dass das natürliche Gleichgewicht Deiner Fruchtbarkeits- und weiterer Hormone bald wieder hergestellt ist und zum anderen kannst Du Deinen Körper bei diesem Prozess unterstützen. Gut zu wissen: In der Wartezeit auf die erste Regel nach der Pille kann es jederzeit dazu kommen – solltest Du gerade kein Baby planen, bleib also lieber enthaltsam oder verhüte anderweitig. Wenn Du Deinen Zyklus trackst, zum Beispiel mit Daysy, kannst du vermutlich erkennen, wann der erste Eisprung stattgefunden hat.

Erste (Selbst-)Hilfe: Sei gut zu Dir!

Was tun mit „Post-Pill-Syndrom“? Den Stress rauszunehmen und Dich nicht unter Druck zu setzen, kann der erste Schritt zu mehr Wohlbefinden sein. Dem aktuellen Stand der Forschung zufolge hat die Pille keine Langzeit-Auswirkungen auf Deine Fruchtbarkeit – bist Du jung und gesund, kehrt Deine Fähigkeit ein Kind zu empfangen vermutlich bald zurück3. Wenn mehr als drei Monate vergangen sind und Du nicht länger warten möchtest, kannst Du Dich von Deinem Frauenarzt/Deiner Frauenärztin durchchecken lassen. Er/sie kann herausfinden, ob andere Ursachen hinter dem Ausbleiben der Regel stecken – zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, eine andere Hormonstörung oder auch Untergewicht. Er/sie kann Dir auch Medikamente verschreiben, sollten diese nötig und sinnvoll sein. Dein Dein Arzt/Deine Ärzting ist zudem der/die richtige Adressat/in, wenn Du anhaltende Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen oder psychische Symptome abklären lassen möchtest. Mit Haarausfall und Hautproblemen bist Du bei einem/einer Dermatologen richtig.

Die meisten Frauen mit Post-Pill-Symptom bekommen Entwarnung: Ansonsten alles in Ordnung! Nach neun bis zwölf Monaten haben sich bei fast allen die Zyklen wieder normalisiert1. Allgemein – aber vor allem, wenn Du Dir bald ein Baby wünschst – empfiehlt sich nach der Pille ein gesunder, entspannter Lebensstil. Denn er kann die Symptome des Post-Pill-Syndroms lindern, Dir seelisch und körperlich Kraft schenken und Deinen Körper optimal auf eine Empfängnis vorbereiten.

Gönn Dir also am besten:

  • einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus und ausreichend Schlaf,
  • eine leichte, vitaminreiche Ernährung mit vielen frischen Zutaten,
  • den (weitgehenden) Verzicht auf Alkohol,
  • einen Alltag ohne Zigaretten,
  • Ruhe- und Entspannungspausen und
  • regelmäßige Bewegung, die Dir Spaß macht.
  • Gute Gründe für Nährstoffe, Sport, Schlaf und Supplemente

Warum das alles? Schlaf hilft Dir, Stresshormone abzubauen, stabilisiert Deine Psyche und lässt Dich (Regel-)Schmerzen leichter ertragen. Frische, leichte Kost reduziert Dein Risiko für Verdauungsbeschwerden und versorgt Dich optimal mit den Nährstoffen, die Du jetzt brauchst – unter anderem mit B-Vitaminen, Kalzium, Magnesium, Eisen, Jod, Vitamin A, Vitamin C, Zink und Folsäure. Das meiste findet sich in Obst und Gemüse, Pflanzenölen, Nüssen, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Salaten und Sprossen. Für „Allesesserinnen“ sind zudem hochwertiges Fleisch, fetter Seefisch, Milchprodukte und Eier in Maßen empfehlenswert. Vegetarierinnen und Veganerinnen können sich mit pflanzlichen Eisen- und Jodquellen oder aber Vitaminpräparaten gut versorgen.

Wenn Du bald schwanger werden möchtest, sind Folsäure und Eisen unverzichtbar für die ungestörte Entwicklung Deines Babys. Insgesamt brauchst Du eine gute Nährstoffversorgung für eine stabile Immunabwehr und um Dich leistungsfähig und ausgeglichen zu fühlen.

Alkohol und Zigaretten hingegen sind Gift für ungeborene Kinder – das weißt Du sicher bereits. Außerdem schaden Sie Dir, auch jenseits einer Schwangerschaft, und können „Post-Pill-Syndrom“-Beschwerden verstärken. Denn die „Genussgifte“ triggern Entzündungen in Deinem Körper, was Schmerzen aller Art noch quälender werden lässt. Alkohol belastet außerdem Deine durch die Pille schon beanspruchte Leber zusätzlich.

Bewegung hingegen wird von allen Experten empfohlen, denn sie stärkt Dein Immunsystem und Deine Psyche und kann nachweislich Regelschmerzen lindern. Zu einigen Sportarten, zum Beispiel Yoga, gibt es gerade in Bezug auf Regelschmerzen überzeugende Studien4 Such Dir am besten Aktivitäten aus, die Dir viel Spaß machen und zu denen Du motiviert bist: Laufen, Fahrradfahren, Tanzen, Gymnastik, Schwimmen oder auch Yoga. Mit einer gewissen Grundfitness bist Du außerdem gut auf eine Schwangerschaft vorbereitet.

Naturheilkunde – einen Versuch wert

Zusätzlich setzen viele Frauen nach dem Absetzen der Pille auf naturheilkundliche Mittel – sogenannte Phytotherapeutika – die die Leber nach der langen, täglichen Medikamentendosis zu entgiften helfen und/oder die Hormone sanft wieder ins Lot bringen können. Diese sind vor allem als Kapseln, Pulver oder Tee erhältlich, einzeln oder in Kombination. Ein deutsches Startup-Unternehmen – Everyyin Female Health – wurde speziell gegründet, um Nahrungsergänzungsmittel zu entwickeln, die Hormonstörungen nach dem Absetzen der Pille vorbeugen beziehungsweise dieselben lindern können. Je nach Indikation enthalten die Präparate zum Beispiel Mönchspfeffer (vor allem für das hormonelle Gleichgewicht, gegen PMS und Regelschmerzen), Rotklee (der in hormonellen Umstellungsphasen wie den Wechseljahren guttut) und/oder Mariendistel (gilt als leberschützend und -unterstützend) sowie die oben genannten Vitamine5.

Bei Verdacht auf eine vorliegende Hormonstörung, einen Vitamin- oder sonstigen Nährstoffmangel ist Dein Hausarzt/Deine Hausärzting oder Dein Gynäkologe/Deine Gynäkologin eine gute Anlaufstelle und kann Dir hochdosierte Präparate empfehlen und verschreiben. Ob mit ärztlicher Unterstützung oder ohne: Die Chancen sind bestens, dass Dein „Post-Pill-Syndrom“ bald hinter Dir liegt. Dass Du in naher Zukunft eine glückliche Mama wirst – oder einen anderen, nicht-hormonellen Weg findest, eine Schwangerschaft zu verhüten.

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1) Frank-Herrmann P et al.: Zyklusverhalten nach Absetzen von oralen Kontrazeptiva. J Reproduktionsmed Endokrinol. 2006;3(1):54-57. https://www.kup.at/journals/summary/5663.html

2) https://www.christinehoffmann.de/post-pill-syndrom-und-polyzystische-ovar-syndrom-pcos/

3) Yland JJ et al.: Pregravid contraceptive use and fecundability: prospective cohort study. BMJ 2020 (online) Nov 11;371:m3966. doi: 10.1136/bmj.m3966

4) Yonglitthipagon P, et al.: Effect of yoga on the menstrual pain, physical fitness, and quality of life of young women with primary dysmenorrhea. J Bodyw Mov Ther. 2017 Oct;21(4):840-846. doi: 10.1016/j.jbmt.2017.01.014. Epub 2017 Feb 7.

5) Produkte: Mood & Hormones (bei Progesteronmangel), Estro & Hormones (bei Östrogendominanz oder -mangel), Beauty & Hormones (bei Testosteronüberschuss), Reset & Hormones (nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmethoden allgemein) von Everyin Female Health, Homepage: https://everyyin.de